Die dreieckigen Bildtafeln, die in der Malerei von Raphaela Vogel so entscheidend sind, korrespondieren nicht nur mit der weiblichen Scham als einer zentralen Projektionsfläche westlicher Bildlichkeit, sondern auch mit drei-poligen Begrifflichkeiten. Die für Vogel wichtige Erfindung der Triolektik und des Fussballspiels für drei Mannschaften, die der dänische Situationist Asger Jorn schon in den 1950er Jahren lanciert hat, legt nahe, dass es in den relevanten Konstellationen unseres Lebens, unseres Denkens und der Politik nicht um bipolare Situationen geht. Es gibt drei Feinde für die Organisation, Planung und Gestaltung eines gelungenen kleinbürgerlichen Familienlebens: die abgestorbenen Teile der Gewächse des Gartens, insbesondere der Bäume und der größeren Büsche, sodann der stets verführerische, die Gesundheit gerade der Kinder nachhaltig untergrabende Zucker, und vor allem, der immer wieder die Wände, Schränke und Keller des Eigenheims bedrohende Schimmel. Die nicht totzukriegende Feuchtigkeit des Lebens.
Neben der Malerei stehen aber bei „Zucker * Totholz * Schimmel” Probleme der Skulptur im Mittelpunkt. Diese sind per definitionem schwer und müssen sich stützen oder gestützt werden. Drei Nymphen des wilhelminischen Bildhauers Walter Schott, dem seine untriolektische Kaisertreue (in einer Zeit dreiteiliger Ententen – seit 1907: Frankreich, England und Russland) zum Karriereverhängnis wurde, können sich daher nicht ganz der natürlichen Leichtigkeit ihrer Tanzbegabung hingeben, sondern brauchen (aggressiv geschwungene) Gehhilfen, weil sich der Umgang mit der Schwerkraft nicht mehr von selbst für sie versteht. Nicht nur die Schönheitsoperationen des Lebens waren zu anstrengend. Aber sie brauchen die Gehhilfen noch nicht in diesem Moment, sie nutzen sie als Waffen in einem Dreikampf um die Wahrheit. Das herabhängende umgekehrte Fragezeichen enthält in seinem Titel bereits die Antwort auf alle Fragen: „Musst Du sagen!” Oder auf norddeutsch: „Immer der, der fragt.” Unnötig darauf hinzuweisen, dass sie ihren Gehhilfentanz nur durch eine Dreierkonstellation aufrecht erhalten können, die Zentrifugalkraft würde bei zwei oder vier Nymphen gnadenlos zuschlagen
Für eine kritische Begegnung zwischen Malerei und Skulptur steht der mehrfach in Anlehnung an Gustave Courbets „Ursprung der Welt“ gemalte weibliche Torso sowie die wiederum aus dem Zentrum des Torsos herausgesampelte Vagina, die dann wiederholt in heraldischen Motiven in Vogels Malerei auftaucht. Courbet hat in seiner Zeit als Präsident der republikanischen Kunstkommission während der Zeit der Pariser Kommune aber auch skulpturale Probleme ebenso wie solche des Phallogozentrismus in Angriff genommen, in dem er die Vendome-Säule stürzen ließ. Da er nach der Zeit der Kommune im Schweizer Exil leben musste, ist davon auszugehen, dass vaginale und weiblich codierte Memes Courbet’scher Prägung sich auch in Zürich erhalten haben, wo sie den Weg in Vogels Arbeiten gefunden haben.
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